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Internationale Berichte:

 

 

 

 

Energieautarkie in 2900 m Höhe

Inmitten von Eis, Schnee und Stein wird am Monte Rosa Massiv eine der größten und vor allem technisch herausragendsten Berghütten der Alpen errichtet. Zie der Projektpartner (Schweizer Alpen Club SAC) und der ETH Zürich ist die Errichtung einer gut funktionierenden Hütte für Wanderer und Skitourengeher - das alles auf einem Felsen mitten im Monte Rosa Massiv, in eisiger Kälte und enormen Windkräften ausgesetzt, kilometerweit entfernt von jeder Infrastruktur, ohne Straßen, ohne Elektrizität, ohne Wasserversorgung.

Jedes Haus ein Kraftwerk

"In dieser sensiblen Naturlandschaft aus Fels und Eis muss ein Gebäude sich selbst mit Energie und Wasser versorgen können", sagt Architekt Daniel Ladner, der das Projekt im Februar 2009 in Wien erstmals vorgestellt hat. Im konkreten Fall wird das Haus selbst zum Kraftwerk. Die Berghütte wird mit Hilfe einer kreisförmigen Stahlkonstruktion im Gestein verankert. Darauf kommt eine Holzkonstruktion, die Außenhaut wird mit rohem Aluminium plus einer 30 cm dicken Dämmschicht realisiert.

120 m2 Photovoltaikanlage

An der Südseite wird eine 120 m2 große Photovoltaikanlage montiert, die das Gebäude über eine Speicherbatterie mit Strom versorgt. Ein 60 m2 großer thermischer Kollektor wird ausreichend Warmwasser bereitstellen. "Alles in allem ist die Hütte zu 90 % energieautark", betont Ladner. Die restlichen 10 % werden über ein Blockheizkraftwerk auf Basis von Rapsöl hergestellt.

Vorfertigung spart Hubschrauberflüge

Mit der Fundierung der Hütte wurde im Sommer 2008 begonnen. Der Stahlkern ist bereits fix verankert. Im Mai werden die Arbeiten wieder aufgenommen, für Herbst 2009 ist die Einweihung vorgesehen. Möglich gemacht wird die kurze Bauzeit durch weitgehende Vorfertigung der Elemente, diese Vorgangsweise reduziert auch die Anzahl der Hubschrauberflüge an die Baustelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Pack die Sonne in den Tank

Mit 55 Kilometern pro Stunde übers Wasser düsen, im Tank die pure Kraft der Sonne. Sieht so die Zukunft der Schifffahrt aus? Die niederländische Solarbootfirma Czeers hat solch ein Schiff entwickelt. Das Boot ist extrem leicht, fünf Personen können mitfahren und der Motor macht keinen Krach.
Das Solarboot MK1 auf einer der ersten Testfahrten: Die Rumpfform des Schiffes ist schnittig und bietet dem Wasser wenig Widerstand.
Mit über 50 Stundenkilometern rast das Speedboot bei seiner ersten Probefahrt durch das Wasser. Lärm macht es dabei nicht. Und auch eine hohe Heckwelle ist nicht zu sehen. Im Gegenteil: Leise wie ein Dartpfeil zischt das Boot durch einen Kanal in den Niederlanden. Das Besondere ist, dass das Hochgeschwindigkeitsboot allein von Solarzellen angetrieben wird. Sie laden an Bord eingebaute Akkus auf und erzeugen Strom für den 80 Kilowatt starken Elektromotor. „Leistungsfähige Solarzellen, ein geringes Gewicht von nur einer Tonne und eine spezielle Rumpfform machen das Boot so schnell“, sagt David Czap vom niederländischen Solarboothersteller Czeers. David Czap und sein Kollege Nils Beers widerlegen mit ihrer Solarbootentwicklung ein Vorurteil, das lange galt: Solarzellen an Bord seien höchstens etwas für eine unterstützende Stromversorgung, etwa um die Energieversorgung des Kühlschranks zu gewährleisten.

Umweltfreundlichkeit exklusives Design sind kein Widerspruch

Dabei sieht das von den beiden Mittzwanzigern entwickelte Speedboot ausgesprochen schnittig aus. „Wir wollen zeigen, dass Umweltfreundlichkeit und exklusives Design mit hohem Geschwindigkeitspotenzial kein Widerspruch sein müssen“, sagt Czap, der gemeinsam mit Beers an der Technischen Universität Delft Schiffsbau studiert hat. So wird das Boot zum Beispiel durch Touchscreen-Bedienelemente gesteuert, die Lederausstattung der Sitze ist handgearbeitet. Exklusive Firmen wie Perida, die auch den niederländischen Königshof beliefern, waren ebenfalls an dem schnellen Solarboot beteiligt. Mit an Bord ist auch Royal Huisman Shipyards, einer der bekanntesten Yachthersteller in den Niederlanden. Fünf Personen können auf der Czeers MK1 gleichzeitig mitfahren. Bereits an der Universität hatten die Jungunternehmer ihre ersten Meriten im Solarbootbau erworben: Im Jahr 2006 gewannen sie mit einem selbst konstruierten Solarboot die sogenannte „Nuon Solar Challenge“, ein Solarbootrennen durch die Kanäle des niederländischen Friesland – für dieses Rennen entstand der erste Prototyp für den nun fertiggestellten MK1-Erstlingsbau. „Die erste Hürde war dabei die Suche nach einem möglichst leichten Akku für das Schiff, die zweite Hürde war die Auswahl der passenden Solarmodule, die einerseits trittfest sein sollten, aber auch einen hohen Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung haben mussten“, sagt David Czap.

Auf 14 Quadratmetern wird Sonnenenergie perfekt genutzt

Vor allem das Gewicht stellte bei der Konstruktion des Bootes eine Herausforderung dar: Wiege ein vergleichbar großes Riva-Motorboot um 3,5 Tonnen, so bringe die Czeers MK1 inklusive aller technischen Einbauten gerade einmal eine Tonne auf die Waage – leer wiege das Boot sogar nur 400 Kilogramm. „Bei der Konstruktion nutzten wir beispielsweise Wissen, das bei der alle zwei Jahre in Australien stattfindenden Wettfahrt mit Solarfahrzeugen gewonnen wird“, sagt Czap. Dazu zählt eine Antriebstechnik, die möglicht effizient Energie im Motor überträgt. Im Endergebnis ist der gesamte vordere Teil des Schiffes mit Solarmodulen bedeckt, die für den Bau von einer niederländischen Spezialfirma entwickelt wurden: Insgesamt 14 Quadratmeter Solarzellen machen es möglich, dass das Boot während der Fahrt aufgeladen wird. Bis zu einem Tempo von zehn Knoten – umgerechnet 18 Stundenkilometer – fährt das Boot sogar nur mit Solarenergie. Dann zieht es aus den Akkus weniger Strom als gleichzeitig durch die Sonne eingespeist wird. Dahinter steckt ein patentiertes Konzept, das der niederländische Solarmodulhersteller Tendris entwickelt hat: Werden Solarmodule normalerweise unter Glas geschützt, so haben Czap und Beers beim Bau ihre Solarbootes mit Epoxydharz gearbeitet – es ist zu 98 Prozent lichtdurchlässig und nutzt Sonnenstrahlung perfekt aus. Gerade hat Czeers sein erstes Boot bereits verkauft – eine Sonder-Ausführung für 120.000 Euro, das für längere Streckenfahrten gedacht ist. Die Modelle des Typs MK1 kosten um 675.000 Euro. Fotonachweis: Czeers

Welt Online
1. Juni 2008, Oliver Klempert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Großprojekt Masdar-City - Grüne Öko Stadt in der Wüste

Aus Abu Dhabi berichtet Pierre Heumann
Kein Kohlendioxid, kein Abfall, keine Autos: Das Emirat Abu Dhabi beginnt heute mit dem Bau der Öko-Stadt Masdar-City. 22 Milliarden Dollar lassen sich die Scheichs das Prestigeprojekt kosten, bereits im Jahr 2016 soll die grüne Polis in der Wüste bezugsbereit sein.Masdar-City ist Teil einer groß angelegten Initiative für erneuerbare Energien, für die Abu Dhabi weitere 15 Milliarden Dollar locker macht. "Masdar", Deutsch für "Quelle" oder "Ursprung", soll den erneuerbaren Energietechnologien made in Abu Dhabi weltweit zum Durchbruch verhelfen. Die Ölscheichs des Emirats wollen zum globalen Vorreiter auf dem Gebiet erneuerbarer Energien werden. Die 50.000 Einwohner von Masdar-City werden sich umgewöhnen müssen. Ihre Autos müssen sie zum Beispiel vor den Stadtmauern parken. Das bedeutet aber keineswegs Komfortverzicht. Ein feinmaschiges Verkehrsnetz soll das urbane Zentrum erschließen. "Wir wollen beweisen", sagt Projektleiter Sultan Al Jaber, "dass der Einsatz sauberer Energien nicht zu einer Reduktion des Lebensstandards führt."

Öl ist zwar out - aber niemand wird auf Klimanalagen verzichten müssen.

Sie sollen mit Strom aus umweltverträglichen Wind- und Photovoltaikanlagen betrieben werden. Zudem sollen Pumpen mit Hilfe von Bodensonden die Kühle tiefer Erdschichten an die Oberfläche befördern. Damit wird der Energiebedarf der Klimaanlagen reduziert. Um den Energieverbrauch in der Wüstenstadt weiter zu minimieren, werden die Straßen eng angelegt. Die Häuser sind niedrig und sollen dicht beieinander gebaut werden. Für den Zugang zum öffentlichen Verkehr sind beschattete Wege vorgesehen. Insgesamt werde die Temperatur in der neuen Stadt um 20 Grad geringer sein als in Abu Dhabi heute, sagt einer der Ingenieure. In der Stadt, die in den nächsten Jahren außerhalb von Abu Dhabi aus dem Boden gestampft wird, soll die Sonne das Öl ablösen - und die scheint am Golf fast jeden Tag. Derzeit ist eine Ausschreibung für das "größte Solarkraftwerk der Welt" im Gang.

Sonne statt Öl

Shams, was auf Arabisch Sonne heißt, wird in einer ersten Phase 100 Megawatt Strom produzieren und damit Zigtausende Haushalte versorgen können. Stufenweise soll die Leistung um 100 und 200 Megawatt erhöht werden. Technisch ist das bereits erprobt. Solarthermische Kraftwerke (STK) transformieren Sonnenenergie mit Hilfe von Spiegelkonfigurationen. STK beliefern die Steckdose auch dann, wenn die Sonne untergegangen ist. Sie verfügen über Wärmespeicher (z.B. Flüssigsalztanks), die um die Mittagszeit mit überschüssiger Sonnenenergie aufgeheizt werden können. Das macht die Produktion von Solarstrom selbst nach Sonnenuntergang möglich. Die Scheichs sind nicht knauserig: Sie haben ein Budget von 22 Milliarden Dollar. Vier Milliarden sind für die Infrastruktur der neuen Polis vorgesehen. Für den Rest haben sie sich etwas Innovatives einfallen lassen. Neben Direktinvestitionen will sich Abu Dhabi das Geld nämlich mit Hilfe eines Finanzierungsmechanismus beschaffen, der sich auf das Kyoto-Protokoll stützt. Darin verpflichten sich die Industrieländer, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Abu Dhabi steigt nun ins Geschäft mit handelbaren Emissionszertifikaten ein. In der Fachwelt spricht man von "carbon finance". Damit sind Investitionen in Treibhausgas-Minderungsprojekte gemeint, mit denen die gewonnenen Emissionsreduktionen handelbar gemacht werden. Mit anderen Worten: Der Umweltschutz soll einen Teil der grünen Stadt finanzieren. Der britische Stararchitekt Lord Norman Foster entwirft die CO2-neutrale Metropole, die sechs Quadratkilometer groß sein wird. Foster hat bereits Erfahrung mit nachhaltigem Bauen. In Berlin realisierte er zum Beispiel eine grüne Bibliothek für die Freie Universität, in Duisburg entwarf er einen Masterplan für eine energiearme Stadt, und in Libyen arbeitet er an einem Öko-Tourismusprojekt. Noch nie aber hatte er die Chance, eine Metropole von Grund auf nach ökologischen Kriterien zu planen. Gespart wird nicht nur Energie, sondern auch Wasser. Im Vergleich zu traditionellen Städten werde der Konsum weniger als halb so groß sein, versprechen die Planer. Was sich auch auf die Energiebilanz auswirken dürfte: Wasser wird am Golf aus energetisch aufwendigen Entsalzungsanlagen gewonnen.

Recycling ist eher unarabisch

In der ersten solaren Stadt der Welt soll auch die Bewirtschaftung des Abfalls vorbildlich sein. Das Wirtschaftswachstum in den Golfstaaten ist zwar rekordverdächtig - aber auch die Umweltbelastung wächst gefährlich schnell. Was in Europa bereits eingeführt ist, will Abu Dhabi nun im Orient erstmals einführen: wieder verwendbare Verpackungen. Auf den ersten Blick wirkt der grüne Ehrgeiz der ölschweren Scheichs paradox. Die Vereinigten Arabischen Emirate sitzen auf neun Prozent der weltweit nachgewiesenen Ölreserven und auf fünf Prozent der Gasvorkommen. Das Emirat Abu Dhabi, das mehr als 90 Prozent dieser Ressourcen kontrolliert, verkauft pro Tag 2,8 Millionen Ölfässer und ist damit der sechstgrößte Ölexporteur der Welt. Aber die Öl-Scheichs am Golf denken langfristig - und bereiten sich heute schon auf eine Zeit ohne Öl vor. Um im Geschäft zu bleiben, wollen sie ihren Energie-Protz in ein weltweit führendes Zentrum für saubere Energie verwandeln. In Masdar-City soll deshalb als erstes eine technische Hochschule einziehen, die sich ausschließlich erneuerbaren Energien widmet. Das "Masdar Institute of Science and Technology" hat dazu in Kooperation mit dem MIT einen speziellen Lehrplan entwickelt. Denn in Abu Dhabi gehe es auch um den Aufbau von Human Capital - so zumindest sieht der Amerikaner Russel Jones seine Aufgabe als Leiter des neuen Forschungszentrums. Wie futuristisch die energiearme Stadt allerdings selbst für Experten noch ist, können Besucher im Büro des US-Forschers am eigenen Leib erfahren. Im Zimmer des Mannes, der die künftigen Energieforscher ausbilden soll, ist der Thermostat der Klimaanlage dermaßen kühl eingestellt, dass man am liebsten nachheizen würde.


Pierre Heumann ist Nahostkorrespondent der Schweizer "Weltwoche"
Der Spiegel – Spiegel Online, 9. 2. 2008